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Hebeanlage: Alarmierung bei Pumpenausfall nachrüsten.

Eine Hebeanlage pumpt Abwasser aus dem Keller in den Kanal, wenn es nicht von selbst abfließen kann. Fällt sie aus, können Dusche, Waschmaschine und WC im Keller nichts mehr ableiten. Viele Anlagen haben zwar einen Alarm, aber nur einen lokalen: einen Summer am Schaltgerät. Hier erfährst Du, welche Alarmierung Deine Anlage schon mitbringt, wie Du sie bis aufs Handy verlängerst, welche Wartung die Norm vorsieht und was Du im Störfall tust.

Von Jonas Derissen, Geschäftsführer der Drainbee GmbH 7 Min. Lesezeit Aktualisiert

Auf einen Blick

Wartung im Einfamilienhaus
12 Mon.
Wartung im Mehrfamilienhaus
6 Mon.
Anlagenarten nach DIN EN 12050
3
einmalig, kein Abo
298 €

Hebeanlage kurz erklärt

Eine Hebeanlage sammelt Abwasser aus Räumen unterhalb der Rückstauebene in einem Behälter und pumpt es über eine Druckleitung in den Kanal. Typisch sind Kellerbäder, Waschküchen und Einliegerwohnungen. Die Normenreihe DIN EN 12050 unterscheidet drei Arten:

  • Teil 1: Fäkalienhebeanlagen für Abwasser mit Fäkalien, zum Beispiel vom WC
  • Teil 2: Abwasserhebeanlagen für fäkalienfreies Abwasser aus Dusche, Waschbecken oder Waschmaschine
  • Teil 3: Kleinhebeanlagen zur begrenzten Verwendung

Der eigentliche Rückstauschutz ist die Rückstauschleife: Die Druckleitung wird über die Rückstauebene geführt, bevor sie in den Kanal mündet. So kann Wasser aus dem Kanal auch bei Rückstau nicht in die Anlage zurückdrücken. Die Rückschlagklappe in der Druckleitung ist kein Rückstauschutz. Sie verhindert nur, dass Wasser aus der Leitung zurückfließt, wenn die Pumpe abschaltet. Mehr dazu unter Rückstausicherung.

Anders als ein offener Pumpensumpf ist der Behälter einer Fäkalienhebeanlage geschlossen und wird über Dach entlüftet.

Was passiert, wenn die Hebeanlage ausfällt?

Fällt die Pumpe aus, läuft weiter Abwasser in den Behälter, aber nichts mehr heraus. Der Notstauraum im Behälter ist schnell voll. Danach steigt das Wasser in den angeschlossenen Ablaufstellen: Dusche, Bodenablauf, WC. Bei einer Fäkalienhebeanlage ist das kein sauberes Wasser, sondern Abwasser mit Keimen, das Fliesen, Estrich und Wände durchnässt.

Die Ursachen sind dieselben wie bei jeder Kellerpumpe: Stromausfall, ausgelöste Sicherung, eine blockierte Pumpe oder eine gestörte Niveauerfassung. Mehr dazu unter Pumpenausfall.

Der Unterschied zum einfachen Pumpensumpf: Viele Hebeanlagen haben ein Schaltgerät, das eine Störung erkennt und meldet. Die Frage ist nur, ob die Meldung Dich erreicht.

Welche Alarmierung Deine Hebeanlage schon hat

Viele Schaltgeräte bringen drei Dinge mit. Ein Blick in die Anleitung oder auf das Typenschild sagt Dir, was davon Deine Anlage kann:

  • Lokaler Alarm: Ein Summer und eine Leuchte am Schaltgerät melden Hochwasser im Behälter oder eine Störung. Bei der Zehnder Kompaktboy hat der Summer 85 dB(A). Das reicht für den Kellerflur, aber nicht fürs Schlafzimmer zwei Stockwerke höher und schon gar nicht für den Urlaub.
  • Potentialfreier Kontakt: ein Schaltausgang, der bei einer Störung umschaltet. Daran lassen sich ein externer Signalgeber, ein GSM-Modul oder eine Gebäudeleittechnik anschließen. Bei manchen Geräten ist er Serie, bei anderen Zubehör. Kessel bietet ihn für seine Comfort-Schaltgeräte als Aufsteckplatine zum Nachrüsten an.
  • Batteriepufferung: entscheidend für den Stromausfall. Die Kessel Comfort-Schaltgeräte sind batteriegepuffert, melden einen Netzausfall und prüfen ihre Batterien selbst. Hat Dein Schaltgerät keine Batterie, verstummt bei Stromausfall auch der Alarm. Zehnder empfiehlt deshalb für die Kompaktboy ausdrücklich ein zusätzliches netzunabhängiges Alarmschaltgerät, das auch bei Stromausfall auslöst.

Ob Dein Alarm ohne Strom funktioniert, hängt also vom Gerät ab. Prüf es: Wenn gerade niemand Wasser benutzt, die Sicherung der Anlage kurz ausschalten und hören, ob sich das Schaltgerät meldet. Danach wieder einschalten.

Jung Pumpen weist außerdem darauf hin, dass die Störmeldung in jeder abgeschlossenen Wohneinheit wahrnehmbar sein soll. Im Mehrfamilienhaus reicht ein Summer im Keller also nicht.

Alarmierung nachrüsten: Deine Optionen

1. Fernmeldemodul vom Hersteller

Die naheliegende Lösung, wenn es für Deine Steuerung eines gibt:

  • Kessel: Das GSM-Modem TeleControl (Art.-Nr. 28792) für die Comfort-Schaltgeräte leitet Meldungen an bis zu drei Mobiltelefone weiter. Die SIM-Karte bringst Du selbst mit. Werkslistenpreis 587 € zzgl. MwSt.
  • Jung Pumpen (Pentair): HighLogo-Steuerungen ab Dezember 2020 lassen sich mit einem GSM-Modul nachrüsten, das Störungen per SMS oder E-Mail an bis zu drei Empfänger meldet. Ein optionales Akkumodul hält die Alarmweiterleitung auch bei Netzausfall aufrecht. Für BasicLogo- und ältere HighLogo-Steuerungen gibt es das separate Modem GSM Pro 2. Der Einbau ist Sache von Fachpersonal.

Der Nachteil: herstellergebunden, mit eigener SIM-Karte und Einbau durch den Fachbetrieb.

2. Potentialfreier Kontakt plus Meldegerät

Hat Deine Steuerung einen potentialfreien Störmeldekontakt, kann eine Elektrofachkraft daran ein universelles GSM-Meldegerät oder den Eingang einer Smart-Home-Zentrale anschließen. Grundfos etwa gibt für die Steuerung LC 221 seiner Multilift-Anlagen mehrere potentialfreie Kontakte an, darunter Hochwasseralarm und Sammelstörung. Das ist flexibel, setzt aber voraus, dass das Meldegerät selbst bei Stromausfall weiterläuft.

3. Netzunabhängiges Alarmschaltgerät

Ein separates Gerät mit eigener Notstromversorgung und Eingang für einen Schwimmer, zum Beispiel das Wilo DrainAlarm (Listenpreis 587 € zzgl. MwSt.) oder das Zusatzmodul, das Zehnder für die Kompaktboy anbietet. Es alarmiert auch bei Stromausfall, aber vor Ort. Aufs Handy kommt die Meldung erst mit einem zusätzlichen Fernmelder.

4. Wassermelder auf dem Boden

Ein WLAN-Wassermelder wie Shelly Flood braucht keine Zentrale und läuft auf Batterie. Er meldet aber erst, wenn Abwasser schon auf dem Boden steht. Und bei Stromausfall fallen Router und Internet aus, dann kommt keine Push-Nachricht mehr an. Als Ergänzung sinnvoll, als einziger Schutz zu spät. Siehe Wassermelder.

5. Pegelsensor mit App

Ein Wasserstandssensor misst den Füllstand im Pumpenschacht oder Behälter und meldet, wenn er steigt, bevor etwas überläuft. Herstellerunabhängig und ohne Eingriff in die Steuerung.

Drainbee an der Hebeanlage

Drainbee ist so ein Pegelsensor. Die hydrostatische Sonde misst den Wasserstand in drucklosen Behältern und Schächten bis 1 m auf ± 1 cm genau, adaptiv alle 10 Sekunden bis 5 Minuten. Die Wandbox sendet über WLAN (2,4 GHz) in die Cloud. Alarm gibt es, wenn der Pegel Deinen Schwellenwert überschreitet, bei Stromausfall und bei WLAN-Verlust, als Push oder Anruf-Alarm in der App. Die Pumpvorgänge siehst Du im Verlauf. 298 € einmalig, kein Abo.

Zwei Dinge solltest Du vorher klären:

  • Zugang zum Wasser: Bei Anlagen mit offenem Pumpenschacht hängt die Sonde einfach im Schacht. Der Behälter einer Fäkalienhebeanlage muss dagegen geruchs- und gasdicht bleiben. Lass Dir von Deinem Installateur zeigen, wo die Sonde mit einer dichten Kabeldurchführung hineinkommt, statt einen Revisionsdeckel offen zu lassen.
  • Grenzen: Drainbee steuert keine Pumpe und ersetzt weder Schaltgerät noch Wartung. Es hat keinen Akku und kein Mobilfunkmodul. Fällt der Strom aus, bekommst Du den Stromausfall-Alarm, danach sendet die Box nichts mehr, bis der Strom zurück ist.

Wartung nach DIN EN 12056-4

Hebeanlagen müssen regelmäßig von einem Fachkundigen gewartet werden. Die Intervalle nach DIN EN 12056-4, wie sie zum Beispiel Zehnder in seiner Anleitung wiedergibt:

  • alle 12 Monate im Einfamilienhaus
  • alle 6 Monate im Mehrfamilienhaus
  • alle 3 Monate in Gewerbe- und Industriebetrieben

Zusätzlich empfiehlt Zehnder, dass Du als Betreiber einmal im Monat selbst nachsiehst: ungewöhnliche Laufgeräusche, Undichtigkeiten, Meldungen am Schaltgerät. Wer Auffälligkeiten bemerkt, zieht Fachpersonal hinzu.

Bei der Wartung prüft der Fachbetrieb unter anderem Anschlüsse und Dichtheit, Schieber und Rückschlagklappe, reinigt Behälter und Niveauerfassung, kontrolliert Pumpe, Motor und Stromaufnahme, testet die Alarmeinrichtung und tauscht bei einem netzunabhängigen Alarm den Akku nach Herstellerangabe. Die Arbeiten werden dokumentiert. Bewahr das Protokoll auf: Laut Jung Pumpen verlangen viele Versicherer nach einem Unwetterschaden einen Nachweis über den Zustand der Hebeanlage. Ein Wartungsvertrag nimmt Dir das Erinnern ab.

Alarm an der Hebeanlage: Was Du jetzt tust

  1. Kein Wasser mehr nachlaufen lassen. Im Keller nicht duschen und nicht spülen, Waschmaschine und Geschirrspüler anhalten, wenn sie in die Anlage entwässern.
  2. Anzeige ablesen. Viele Schaltgeräte zeigen die Ursache an, etwa Hochwasser, Überstrom, Netzausfall oder Niveaufehler. Notier die Meldung.
  3. Strom prüfen. Sicherung und FI-Schalter der Anlage. Löst die Sicherung wiederholt aus, nicht immer wieder einschalten.
  4. Handbetrieb nur kurz. Viele Steuerungen haben eine Taste für den Handbetrieb. Zehnder erlaubt sie bei der Kompaktboy nur bei Alarm wegen überfülltem Behälter und nur kurzzeitig.
  5. Handmembranpumpe nutzen, falls vorhanden, um den Behälter im Notfall über die Rückstauebene zu leeren.
  6. Fachbetrieb oder Werkskundendienst rufen. Den Behälter einer Fäkalienhebeanlage nicht selbst öffnen. Darin entstehen Gase, und das Abwasser ist hygienisch bedenklich.
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Häufige Fragen

Wie erkenne ich, dass meine Hebeanlage defekt ist?
Das Schaltgerät meldet sich mit Summer und Anzeige. Vorher gibt es oft Zeichen: Abwasser läuft langsamer ab, die Pumpe läuft länger oder macht neue Geräusche, es riecht aus den Abläufen, oder das Schaltgerät hat Störungen gespeichert. Ein Wasserstandssensor wie Drainbee meldet einen steigenden Pegel aufs Handy, auch wenn Du nicht zu Hause bist.
Wie oft muss eine Hebeanlage gewartet werden?
Nach DIN EN 12056-4 alle 12 Monate im Einfamilienhaus, alle 6 Monate im Mehrfamilienhaus und alle 3 Monate in Gewerbe- und Industriebetrieben, jeweils durch einen Fachkundigen. Dazu kommt eine monatliche Sichtkontrolle durch Dich, wie sie zum Beispiel Zehnder empfiehlt.
Kann ich eine Alarmierung an meiner Hebeanlage nachrüsten?
Ja. Für viele Steuerungen gibt es GSM-Module vom Hersteller, etwa von Kessel oder Jung Pumpen. Alternativ schließt eine Elektrofachkraft ein Meldegerät an den potentialfreien Störmeldekontakt an. Herstellerunabhängig geht es mit einem Wasserstandssensor wie Drainbee, der den Pegel misst und per App alarmiert, auch bei Stromausfall und WLAN-Verlust.
Funktioniert der Alarm meiner Hebeanlage bei Stromausfall?
Nur wenn das Schaltgerät eine Batterie oder einen Akku hat, wie zum Beispiel die Kessel Comfort-Schaltgeräte, oder ein separates netzunabhängiges Alarmgerät angeschlossen ist. Ohne Pufferung verstummt der Summer. Prüf es mit einem Blick in die Anleitung oder indem Du die Sicherung kurz ausschaltest, wenn gerade niemand Wasser benutzt.

Quellen

  1. Zehnder Pumpen: Gebrauchsanleitung Kompaktboy Einzel (2020) (öffnet in neuem Tab)
  2. KESSEL: Gebrauchsanleitung Schaltgerät Aqualift Comfort 230 V Mono/Duo (2025) (öffnet in neuem Tab)
  3. KESSEL: GSM Modem TeleControl für Comfort Schaltgeräte, Art.-Nr. 28792 (öffnet in neuem Tab)
  4. Pentair Jung Pumpen: Pumpensteuerung kommuniziert im Alarmfall drahtlos (2021) (öffnet in neuem Tab)
  5. Wilo: DrainAlarm, Produktkatalog (öffnet in neuem Tab)

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